Wenn eine Mauer fällt…

Vor kurzem ist in der Riede Hinterskirchl eine Terrassenmauer eingestürzt.

Auf dem Foto sieht man zuerst einmal Steine. Viele Steine. Für mich sieht man aber vor allem Arbeit, Geschichte und Verantwortung.

Unsere Terrassenweingärten sind keine Landschaft, die einfach so entstanden ist. Sie wurden über Jahrhunderte von Menschen aufgebaut, erhalten und bewirtschaftet. Stein für Stein wurden Hänge terrassiert, damit hier überhaupt Reben wachsen können.

Wenn eine solche Mauer nachgibt, wird einem sehr schnell bewusst, wie viel Arbeit hinter dieser Kulturlandschaft steckt.

Was man beim fertigen Wein nicht sieht

Wenn später eine Flasche Riesling auf dem Tisch steht, sieht niemand mehr diese Mauer.

Man sieht nicht, wie Steine sortiert werden müssen. Wie der Hang gesichert wird. Wie viel Material bewegt werden muss und wie langsam eine Trockensteinmauer wieder wächst.

Man sieht auch nicht, dass die Arbeit im restlichen Weingarten währenddessen weitergeht.

Die Reben warten nicht.

Genau deshalb gehört für mich auch diese Arbeit zum Wein.

Nicht nur die Lese. Nicht nur der Keller. Nicht nur die Flasche.

Eine Landschaft, die erhalten werden muss

Trockensteinmauern sind weit mehr als eine Möglichkeit, einen Hang zu befestigen.

Sie halten den Boden auf den Terrassen, schützen vor Erosion und schaffen in ihren Fugen Lebensräume für Pflanzen, Insekten und andere Tiere. Die Steine speichern Wärme und beeinflussen damit auch das unmittelbare Mikroklima im Weingarten.

Vor allem aber prägen sie das Gesicht unserer Weinlandschaft.

Diese Mauern wurden über Generationen weitergegeben. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man selbst derjenige ist, der dafür verantwortlich ist, dass sie weiterbestehen.

Das ist nicht immer romantisch.

Manchmal bedeutet Weinbau einfach, vor einem eingestürzten Hang zu stehen und zu wissen, dass diese Steine wieder hinauf müssen.

Herkunft ist für mich mehr als ein Name

Wir sprechen im Wein sehr oft von Herkunft.

Von Böden, Exposition, Mikroklima und alten Reben.

Für mich gehört aber auch das dazu.

Eine Lage ist nicht nur der Name, der später auf einem Etikett steht. Wer solche Weingärten bewirtschaftet, übernimmt auch Verantwortung für eine Landschaft, die lange vor uns da war und hoffentlich lange nach uns noch bestehen wird.

Man könnte vieles heute schneller und einfacher lösen.

Aber wenn wir beginnen, diese Mauern und Terrassen aufzugeben, verlieren wir Stück für Stück genau das, worüber wir beim Wein so gerne sprechen: Herkunft.

Stein für Stein

Die Mauer im Hinterskirchl wird wieder aufgebaut.

Stein für Stein.

Das kostet Zeit, Kraft und Geld. Trotzdem stellt sich für mich die Frage, ob wir es machen sollen, eigentlich nicht.

Denn ich bewirtschafte nicht nur Reben.

Ich bewirtschafte einen Teil einer Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte entstanden ist.

Und wenn ich irgendwann aufhöre, möchte ich sie zumindest genauso weitergeben können, wie ich sie übernommen habe.

Vielleicht ist genau das eine der ehrlichsten Erklärungen dafür, was Qualität im Wein wirklich bedeutet.

Sie beginnt lange bevor die erste Traube im Keller ankommt.

Manchmal beginnt sie mit einem Stein in der Hand.

Euer Urban 🍀

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Steineck. Einmal raus aus dem Kopf…

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Neun Jahre später: Riesling Braunsdorfer 2017