URBAN T. STAGÅRD

Mein Name kommt aus Schweden. Meine Weine kommen aus Stein.

Ich bin Urban T. Stagård und führe das Weingut seit 2008 in zehnter Generation. 1786 übernahm die Familie meiner Mutter den Lesehof in Krems-Stein. Den schwedischen Namen Stagård mit dem eigenwilligen å brachte mein Vater Anfang der 1980er-Jahre in die Familie. Seit 2008 trage ich ihn auch als Namen des Weinguts.

HERKUNFT IST FÜR MICH KEIN RÜCKBLICK

Ich bin mit einer langen Geschichte aufgewachsen. Aber Tradition bedeutet für mich nicht, alles so zu machen, wie es schon immer gemacht wurde. Sie verpflichtet mich, genau hinzusehen, selbst zu entscheiden und den Betrieb mit meiner eigenen Handschrift weiterzuführen.

Mein Ziel war nie, einfach nur guten Wein zu machen. Ich wollte Weine schaffen, die von ihrem Ort erzählen. Von den steilen Terrassen in Stein, den kargen Böden, alten Reben und von der Arbeit, die in jeder Flasche steckt. Weine mit Spannung und Klarheit, die nicht auf den ersten Eindruck zielen, sondern sich mit Zeit entwickeln.

MEIN EIGENER WEG

Bereits 2005 stellte ich die Weingärten auf biologische Bewirtschaftung um. Die biodynamische Arbeit war für mich die konsequente Weiterentwicklung. Sie verlangt Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, jedes Jahr neu zu beobachten, statt nach einem festen Rezept zu arbeiten.

Im Keller vertraue ich auf die natürlichen Hefen aus meinen Weingärten. Ich vergäre spontan, verzichte auf Reinzuchthefen, Hefenährsalze und Schönungen und lasse die Weine lange auf der Vollhefe reifen. Ich greife nur dort ein, wo es notwendig ist. Entscheidend ist nicht, wie viel man macht, sondern ob man im richtigen Moment das Richtige tut.

DEUTSCHLAND HAT MEINEN BLICK GEWEITET

Meine zahlreichen Reisen in die deutschen Weinbaugebiete und die Nähe zu vielen deutschen Kollegen haben mein Verständnis für Riesling entscheidend erweitert. Im direkten Austausch lernte ich andere Böden, Klimata, Stilrichtungen und Denkweisen kennen. Dabei ging es mir nie darum, etwas zu kopieren. Ich wollte genauer verstehen, was Riesling alles sein kann und daraus meinen eigenen Weg für Stein entwickeln.

Besondere Höhepunkte sind für mich die Riesling-Gala im Kloster Eberbach und das Internationale Riesling-Symposium. Dort treffen unterschiedliche Regionen, Jahrgänge und Persönlichkeiten aufeinander. Solche Verkostungen und Gespräche zeigen mir die Rebsorte immer wieder aus einer neuen Perspektive. Genau das fasziniert mich am Riesling: Je mehr man über ihn weiß, desto mehr bleibt noch zu entdecken.

UND IMMER WIEDER RIESLING

Riesling ist für mich die präziseste Sprache unserer Steiner Terrassen. Er kann karg und kühl sein, salzig und straff, später tief, offen und beinahe schwerelos. Kein anderer Wein zeigt mir so deutlich, wie Lage, Jahrgang und Zeit zusammenwirken.

Deshalb bekommen meine Rieslinge die Zeit, die sie brauchen. Manche sind früh zugänglich, andere brauchen Jahre. Ich bringe sie erst auf den Markt, wenn ich das Gefühl habe, dass ihr Weg wirklich begonnen hat.

WAS BLEIBT

Heute konzentriere ich mich bewusst auf das Wesentliche: gesunde Weingärten, präzise Handarbeit und Weine, die nicht jedem gefallen müssen, aber eine klare Herkunft und Haltung besitzen.

Qualität entsteht im Weingarten. Charakter im Keller.

Porträt von Urban T. Stagård vor einer felsigen Weinbergsterrasse