Erster Akt der Weinlese 2026… ✂️🍇
Wenig Menge, viel Geschichte
Die Weinlese 2026 läuft seit Anfang September. Hinter mir liegen intensive Tage, viele Stunden im Weingarten und im Keller und einige Momente, die mir sehr deutlich zeigen, was dieser Jahrgang bedeutet.
Es ist kein Jahr der großen Mengen. Aber es könnte ein Jahr mit sehr viel Charakter werden.
Ein Jahr, das nichts schenkt
Die Erträge sind teilweise erschreckend niedrig. In manchen meiner Weingärten rund um Stein und Krems fehlen bis zu 80 Prozent einer normalen Ernte.
Das lässt sich nicht schönreden.
Jeder leere Stock bedeutet am Ende weniger Wein. Und gerade auf meinen Terrassen steckt in jeder einzelnen Flasche sehr viel Handarbeit.
Trotzdem gehe ich momentan gerne durch die Weingärten. Denn das, was noch hängt, sieht teilweise wunderschön aus.
Vom Muskateller bis zum Riesling
Begonnen hat meine Lese Anfang September.
Muskateller, Grüner Veltliner und Weißburgunder sind mittlerweile zum Teil im Keller. Hinterskirchl ist beim Grünen Veltliner fertig gelesen. Dazu kamen unter anderem Danzern, Goldberg und weitere kleinere Parzellen.
Und jetzt beginnt langsam jener Teil der Weinlese, der mir persönlich am meisten bedeutet.
Der Riesling.
Am Steiner Hund habe ich bereits die jungen Terrassenanlagen gelesen.
1.500 Liter Riesling mit 17 °KMW und einem pH-Wert von 3,37.
Genau solche Zahlen gefallen mir.
Nicht möglichst viel Zucker. Nicht möglichst hohe Reife. Nicht möglichst viel Alkohol.
Ich suche Frische, Spannung, Balance und einen Wein, der seinen Weingarten zeigt.
Ich lese nicht nach Kalender
Für mich entscheidet nicht ein Datum darüber, wann ein Weingarten gelesen wird.
Ich gehe hinaus, koste die Beeren, schaue mir die Kerne und Schalen an, beobachte die Säure und entscheide dann.
Manchmal bedeutet das, einen Weingarten noch stehen zu lassen, obwohl der nächste schon gelesen wird.
Genau diese Unterschiede machen für mich die Weinlese spannend.
Jede Riede reagiert anders. Jeder Boden reagiert anders. Und 2026 zeigt diese Unterschiede besonders deutlich.
Viele helfende Hände
Diese Weinlese ist aber noch aus einem anderen Grund besonders.
In den vergangenen Tagen haben mir viele Menschen geholfen. Freunde, Bekannte und auch Menschen, die meinen Aufruf gesehen haben und einfach gekommen sind.
Manche waren einen ganzen Tag dabei, manche ein paar Stunden.
Jede einzelne Stunde hilft mir.
Gerade heuer bedeutet mir das sehr viel. Und es entstehen dabei diese Momente, die man nicht planen kann: Gespräche zwischen den Rebzeilen, gemeinsames Essen, alte Freundschaften, neue Bekanntschaften und dieses gute Gefühl am Abend, wenn wieder ein Stück Weingarten geschafft ist.
Draußen entsteht der Wein
Im Keller versuche ich danach vor allem eines: nicht kaputtzumachen, was draußen entstanden ist.
Spontane Gärung, Zeit, Geduld und möglichst wenige Eingriffe.
Ich möchte keine Weine erzeugen, die einem Schema entsprechen. Ich möchte, dass man später versteht, woher sie kommen.
Qualität entsteht für mich im Weingarten. Charakter entwickelt sich im Keller.
Gerade ein Jahr wie 2026 erinnert mich wieder daran.
Die spannendsten Tage kommen erst
Die Weinlese ist noch lange nicht vorbei.
Ein großer Teil meiner Rieslinge hängt weiterhin draußen. Und gerade hier möchte ich nichts beschleunigen.
Die nächsten Tage und Wochen werden entscheiden, wie dieser Jahrgang wirklich wird.
Die Menge wird klein sein. Das weiß ich jetzt schon.
Aber wenn die Trauben weiterhin diese Klarheit und Spannung behalten, dann könnte aus einem wirtschaftlich sehr schwierigen Jahr ein Jahrgang entstehen, an den ich mich im Glas noch lange erinnern werde.
Und darauf kommt es am Ende an.
Weiter geht’s. Riede für Riede.
Euer Urban 🍀