Ich bin noch da … ✨

Vielleicht ist das die wichtigste Nachricht zuerst: Ich bin noch da.

Die vergangenen Jahre haben vieles verändert. Persönlich, wirtschaftlich und auch in meinem Blick auf das Weingut. Nicht alles war leicht, manches hat Kraft gekostet und einiges musste neu geordnet werden.

Trotzdem stehe ich heute hier, mitten in meinen Weingärten, und weiß sehr genau, warum ich weitermache.

Das Weingut lebt

Stagård steht weiterhin für biodynamische Arbeit, charaktervolle Herkunftsweine und meine Überzeugung, dass Qualität im Weingarten entsteht.

Ich bewirtschafte heute rund zehn Hektar, darunter etwa sechs Hektar steile Terrassen in Stein und Krems. Weniger Fläche bedeutet für mich nicht weniger Zukunft. Es bedeutet mehr Konzentration, mehr Nähe zu jedem einzelnen Weingarten und noch mehr Aufmerksamkeit für jene Parzellen, aus denen besondere Weine entstehen können.

Riesling bleibt mein Mittelpunkt. Grüner Veltliner gehört ebenso zu meiner Arbeit wie all meine gereiften Weine, die über viele Jahre Zeit bekommen haben, ihre Herkunft, Tiefe und ihren Charakter zu entwickeln.

Entscheidend ist für mich nie allein die Rebsorte. Entscheidend ist, ob ein Wein erzählen kann, woher er kommt.

Steiner Pfaffenberg, Steiner Schreck, Steiner Hund, Steiner Gaisberg, Steiner Kögl, Steiner Braunsdorfer, Steiner Grillenparz und Steiner Goldberg sind keine austauschbaren Namen auf einem Etikett. Jede dieser Lagen besitzt ihre eigene Struktur, ihren eigenen Boden und ihre eigene Spannung.

Meine Aufgabe ist nicht, ihnen einen Stil aufzuzwingen. Meine Aufgabe ist, ihnen zuzuhören.

Biodynamisch aus Überzeugung

Ich arbeite weiterhin biodynamisch.

Für mich ist das keine Mode und kein Begriff für das Etikett. Es ist eine Haltung. Entscheidend ist, was tatsächlich im Weingarten passiert. Wie wir mit den Böden umgehen. Wie viel Leben darin möglich ist. Wie aufmerksam wir auf Wetter, Pflanzen und natürliche Kreisläufe reagieren.

Qualität entsteht im Weingarten. Das war nie ein Werbesatz, sondern immer die Grundlage meiner Arbeit.

Alle meine Weine werden spontan mit den natürlichen Hefen aus den Weingärten vergoren. Ich arbeite mit Maischestandzeiten, langen Gärungen und langem Ausbau auf der Vollhefe.

Dabei versuche ich nicht, die Weine zu korrigieren oder in eine bestimmte Richtung zu drücken. Sie dürfen sich entwickeln. Sie dürfen Ecken und Kanten zeigen. Sie dürfen ihre Herkunft, den Jahrgang und ihre eigene Persönlichkeit erzählen.

Die Weine dürfen Wein sein.

Nicht jeder Jahrgang läuft nach Plan. Genau darin liegt für mich seine Wahrheit.

Weniger Lautstärke, mehr Präzision

Auch meine Weine entwickeln sich weiter.

Ich suche keine Kraft um ihrer selbst willen. Mich interessieren Spannung, Trinkfluss, Klarheit und Herkunft. Ich möchte Weine mit lebendiger Säure, Struktur und Tiefe. Weine, die nicht laut beeindrucken müssen, sondern mit jedem Glas mehr erzählen.

Der Jahrgang 2025 zeigt sehr deutlich, wohin die Reise geht.

Der urban.Riesling verbindet Frucht, Frische und eine kühle, fast stahlige Seite. Der urban.GV bringt Grapefruit, Limette, Salz und Pfeffer zusammen.

Der Grüne Veltliner Handwerk ist fester und tiefer, geprägt von Schotter, Löss und Lehm. Der Riesling Handwerk stammt aus alten Reben am Braunsdorfer. Er ist straff, elegant und harmonisch, mit jener Spannung, die für mich einen großen Riesling ausmacht.

Die Maischestandzeit, die alten Reben und die unterschiedlichen Gesteinsformationen geben ihm seine Struktur. Er ist kein gemachter Wein, sondern das Ergebnis seines Ursprungs und der Zeit, die ich ihm lasse.

Darüber stehen die Lagenweine. Sie bekommen die Zeit, die sie brauchen. Die 2024er sind bereits bewertet, aber noch nicht am Markt. Ich werde sie nicht früher freigeben, nur weil ständig nach Neuem verlangt wird.

Guter Wein muss nicht schnell sein.

Ein neuer Abschnitt

Auch in meinem Leben hat ein neuer Abschnitt begonnen.

Mit Eva habe ich einen Menschen an meiner Seite, der mir Halt gibt, mich nicht verändern will und mit dem ich wieder nach vorne schauen kann. Gemeinsam leben wir in einer großen Patchworkfamilie mit fünf Mädchen. Das ist manchmal turbulent, aber vor allem lebendig und ehrlich.

Meine Töchter sind der wichtigste Teil meines Lebens. Meine Arbeit bleibt ein großer Teil meiner Identität. Gleichzeitig beginne ich besser zu verstehen, dass ich nicht nur dann etwas wert bin, wenn ich funktioniere, Probleme löse oder alles zusammenhalte.

Ich habe lange geglaubt, Stärke bedeute, möglichst wenig zu zeigen. Heute denke ich anders. Stärke bedeutet für mich, genau hinzusehen, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht länger selbst etwas vorzumachen.

Nicht blind. Nicht verbittert. Sondern wacher.

Warum dieser Blog

Dieser Blog soll kein Hochglanzprospekt werden.

Ich möchte hier über meine Weingärten, meine Weine und die Menschen dahinter schreiben. Über Jahrgänge, die uns fordern. Über Böden, alte Reben, spontane Gärungen und lange Entwicklungen im Keller.

Aber auch über Entscheidungen, Veränderungen und darüber, was es bedeutet, ein Weingut in zehnter Generation weiterzuführen, während sich rundherum vieles verändert.

Ich werde nicht so tun, als hätte ich auf jede Frage bereits eine Antwort.

Aber ich werde ehrlich erzählen, was ich sehe, was ich lerne und warum ich bestimmte Entscheidungen treffe.

Stagård wird sich verändern. Aber nicht beliebiger werden.

Die Zukunft dieses Weinguts liegt nicht in mehr Lautstärke oder mehr Inszenierung. Sie liegt in Konzentration, Substanz und Weinen, die ihren Ursprung nicht verstecken.

Ich bin noch da.

Und ich habe noch einiges vor.

Euer Urban 🍀🙏

Weiter
Weiter

Jetzt ist die Zeit, die mir gefällt … ☀️