Filtration. Wenn aus einem Jahr Arbeit langsam eine Flasche wird…

Es gibt im Keller viele Arbeitsschritte, über die kaum jemand spricht. Die Filtration gehört für mich dazu.

Nach Monaten auf der Vollhefe, nach spontaner Gärung, Entwicklung, Warten und immer wieder Verkosten kommt irgendwann jener Punkt, an dem ein Wein seinen Weg Richtung Flasche beginnt.

Für mich bedeutet Filtration nicht, einen Wein technisch perfekt oder möglichst glatt zu machen. Genau das möchte ich nicht. Ich will so wenig wie möglich eingreifen und dabei möglichst viel von dem erhalten, was im Weingarten entstanden ist und sich während der langen Zeit im Keller entwickelt hat.

Meine Weine bekommen Zeit. Sie vergären spontan mit den Hefen, die aus meinen Weingärten kommen, und bleiben lange auf der Vollhefe. Diese Zeit ist für mich ein wesentlicher Teil ihrer Entwicklung. Sie bringt Struktur, Ruhe, Tiefe und Stabilität.

Irgendwann muss aber auch entschieden werden, was vor der Füllung noch notwendig ist.

Bei der Filtration geht es darum, die letzten Trubstoffe behutsam aus dem Wein zu entfernen. Nicht mehr als notwendig. Der Wein soll klar und stabil auf die Flasche kommen, ohne dabei seine Spannung, Struktur oder seinen Charakter zu verlieren.

Gerade deshalb ist für mich während dieses Arbeitsschrittes das Glas wichtiger als jede Maschine.

Ich kontrolliere Farbe, Geruch, Geschmack und Mundgefühl. Ich möchte wissen, ob der Wein nach der Filtration noch genau das zeigt, was ich vorher im Fass oder Tank geschätzt habe. Seine Herkunft muss erkennbar bleiben. Seine Energie ebenso.

Technik kann Werte messen und Prozesse kontrollieren. Die endgültige Entscheidung fällt für mich trotzdem im Glas.

Das Foto zeigt genau so einen Moment. Mitten im Keller, zwischen Tanks, Schläuchen und Filtration steht ein Glas Wein. Eigentlich ein unspektakulärer Anblick. Für mich steckt darin aber fast ein ganzes Jahr Arbeit.

Arbeit im Weingarten. Entscheidungen während der Vegetation. Die Lese. Die Gärung. Monate des Wartens. Viele Verkostungen und immer wieder die Frage, ob man etwas tun muss oder ob es besser ist, einfach noch Zeit zu geben.

Und irgendwann steht dieses Glas da und zeigt, dass der nächste Schritt kommen kann.

Die Flasche.

Bis dahin bleibt mein Ziel dasselbe wie ganz am Anfang im Weingarten: möglichst wenig korrigieren und möglichst viel Herkunft erhalten.

Euer Urban 🍀🍷

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